Wie sieht Ihr Impfmanagement bei Ihrem Pferd aus?

Diese Frage hat Katharina Nolte in Ihrer Bachelorarbeit gestellt und über 1500 Teilnehmer haben hierzu in einer Online Unfrage geantwortet. Für diese Bachelorarbeit ist Frau Nolte nun mit dem 1. Preis der GWP 2017 (Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V.) auf der Jahrestagung der FN in Stuttgart ausgezeichnet worden.

Ebenso wie beim Menschen stellen beim Pferd Impfungen nicht nur eine Schutzmaßnahme für das einzelne Pferd dar, sondern sind auch unter dem Aspekt des Populationsschutzes ein äußerst wichtiges Thema der Gesundheitsvorsorge.

Wie Katharina Nolte betont: Jedes Pferd ist zu jedem Zeitpunkt einem gewissen Infektionsrisiko ausgesetzt. Somit betrifft Impfmanagement jeden, der die Betreuungsverantwortung für mindestens ein Pferd trägt.

Deshalb definiert die Stiko Vet. (Ständige Impfkommission der Veterinärmediziner) sogenannte Core-Komponenten, gegen die jedes Pferd zu jeder Zeit geschützt sein sollte. Hierzu gehört die Impfung gegen Tetanus, die von 95,36% der Probanden durchgeführt wird.

Equine Influenza und EHV

Für weitere Core-Komponenten  wie Equine Influenza und EHV (Equine Herpesviren) ist das Ziel des Populationsschutzes in Deutschland jedoch noch nicht erreicht. Laut Studie impfen zwar 79,43% gegen Equine Influenza, doch das empfohlene Impfintervall von 6 Monaten wird oft nicht eingehalten oder nur gegen einen Teil der Stämme geimpft, so dass nur 46,59% einen belastbaren Impfschutz aufbauen. Der Erlass der FN 2013, dass alle Turnierpferde gegen Influenza geimpft sein müssen, hat das Impfmanagement in diesem Punkt sicherlich angehoben.

Imfpstatus von Equine Influenza und EHV

Anders sieht es bei Impfungen gegen Herpesviren Typ1-4 aus, denn in dieser Studie führten dies nur 40,94% der Probanden durch. Davon nehmen 68,29% der Befragten die Wiederholungsimpfungen halbjährlich vor und 3,44% impfen sogar häufiger. Dementsprechend impfen nur 71,74% schutzwirksam gegen Equine Herpes Viren, was dann hochgerechnet einem Gesamtanteil von 33,18% aller Pferde entspricht. Viel zu niedrig für einen Bestandsschutz, der ab 80% greift.

Wie die Studie zeigte, sind in der Regel die Pferdebesitzer selbst (80,28%) für Impfungen zuständig und kontaktieren hierzu in der Regel den Tierarzt (94,29%), gefolgt von Internet (38,89%) und Zeitschriften (18,38%). Andere Pferdebesitzer, Stallbesitzer und Infoveranstaltungen folgen auf den weiteren Plätzen (Mehrfachnennungen waren möglich).

Informationsbedarf vor Änderung des Impfmanagements

Über 64 % sehen einen zusätzlichen Informationsbedarf und würden auch entsprechende Informationsveranstaltungen besuchen (63,04%). Grundsätzlich ist die Bereitschaft für Veränderungen des Impfmanagements mit über 75% sehr groß.

Die genannten Gründe gegen eine Veränderung des Impfverhaltens waren hauptsächlich der fehlende Nutzen und die Angst vor Nebenwirkungen, aber auch eine generelle Haltung gegen Impfungen an sich.

Herzliche Glückwünsche zur Auszeichung Katharina Nolte!

Katharina Nolte wurde in der ausgezeichneten Bachelor-Arbeit „Situationsanalyse zum Impfmanagement bei
Pferden in Deutschland“ von Prof. Dr. Dirk Winter und Dr. Peter Witzmann HfWU betreut.

Schlußbemerkung:

Als Leser dieser Arbeit fiel mir doch auf, dass sich Pferdebesitzer vielleicht zu sehr auf Ihren Tierarzt blind (?) verlassen oder ihn nicht wirklich aktiv zum Thema Impfmanagement befragen. Denn es ist doch m.E. sehr verwunderlich, dass gegen Influenza nur in 39% aktuelle Impfstoffe nach Empfehlung der OIE (World Organistion for Animal Health) verwendet wurden. Bilden Sie sich weiter zum Wohle Ihres Pferdes!