Fohlengesundheit durch richtige Fütterung

Ca. 8% der geborenen Fohlen in Deutschland sterben in den ersten 6 Lebensmonaten. Ursächlich dafür sind vielfach Hygienemängel, Fütterungs- und Managementfehler.

Direkt nach der Geburt

Stute mit Fohlen kurz nach der Geburt

Nach der Geburt beginnt das Fohlen innerhalb von 15 Minuten bis 2 Stunden nach dem Euter der Stute zu suchen. Die erste Milch, auch Biestmilch oder Kolostrum genannt, ist besonders wichtig für das Neugeborene. Neben Nährstoffen enthält sie zusätzlich Eiweiße und Vitamine (A, E), die Schutzfunktion übernehmen. Besonders die enthaltenen Immunglobuline (Antikörper) sind essentiell für das Fohlen. Mit der Geburt verlässt es die keimfreie Umwelt „Mutterleib“ und muss sich mit der keimreichen Umwelt „Stall“ auseinandersetzen. Die Schutzstoffe helfen dabei und immunisieren das Fohlen passiv, solange bis es eigenständig Antikörper produzieren kann. Die Konzentration an Schutzstoffe sinkt allerdings rapide nach der Geburt; so sind nach ca. 4 – 8 Stunden nach der Geburt nur noch ca. 1/10 des Ausgangwertes enthalten. Außerdem verschlechtert sich die Passagerate durch die Dünndarmwand innerhalb der ersten Lebensstunden deutlich. Die erste Milch versorgt das junge Fohlen aber auch mit wichtigen Nährstoffen. Da die Fett- beziehungsweise Energiereserven des Fohlens sehr gering sind muss es umgehend nach der Geburt am Euter saugen.

Fohlen und Absetzer

In der Regel werden Fohlen mit sechs Monaten von der Stute getrennt, das heißt sie werden circa sechs Monate gesäugt. Im Mittel saugen Fohlen in den ersten Lebenswochen ca 50 mal in 24 Stunden und nehmen ca. jeweils 150-250 ml Milch auf. Der Saugrhythmus sowie die Milchmenge nehmen mit zunehmendem Alter ab. In der freien Wildbahn kann es vorkommen, dass Fohlen bis zu eineinhalb Jahre gesäugt werden, da sie dort nicht künstlich von der Stute getrennt werden.

Die höchste prozentuale Gewichtszunahme erfährt das Fohlen in den ersten zwei Lebensmonaten, bis zum dritten Monat hat sich das Gewicht bereits verdreifacht. Die Muttermilch kann nach 4-6 Wochen nach der Geburt den Nährstoffanspruch des Fohlens weder quantitativ noch qualitativ decken, so dass beigefüttert werden muss. Der Zeitpunkt richtet sich nach Milchmenge der Stute und Entwicklung des Fohlens. Zuerst nimmt das Fohlen spielerisch Heu auf (nur beste hygienische Qualität anbieten, ca. 100- 150g/Tag), da die Verdauung der Rohfaser zuerst sehr eingeschränkt ist, aufgrund der noch unvollständigen Ausbildung von Backenzähnen und Entwicklung der Mikroflora im Dickdarm. Ab dem 2. Lebensmonat kann bei Bedarf ein Ergänzungsfutter für Fohlen (mindestens 16 % Rohproteingehalt) angeboten werden. Besonders zu beachten ist, Fohlen als auch Stute mit ausreichend Mineralstoffen und Spurenelementen sowie Eiweiß zu versorgen, um ein adäquates Knochen- und Muskelwachstum und eine ausreichende Laktationsleistung sicherzustellen. Ein Salzleckstein sollte wegen Durchfallgefahr jedoch nicht in Reichweite von Fohlen zu finden sein.

Liebigsches Fass Quelle: DooFi Illustration zum Minimumgesetz

Konventionelle Rationen aus Heu und Hafer reichen bei Fohlen nicht für eine optimale Versorgung mit essentiellen Aminosäuren und Mineralstoffen aus. Ein Mangel kann zu Wachstumsverzögerungen, unzureichende Knochen- und Gelenksentwicklung sowie Hufveränderungen und einem geschwächtem Immunsystem führen. Die erstlimitierende Aminosäuren für das Fohlen ist Lysin, gefolgt von Methionin+ Cystein. Die folgende Grafik vom Liebigschen Fass stellt das Prinzip der erstlimitierenden Aminosäuren dar. Jedes Brett steht für eine Aminosäure, ist jedoch von der erstlimitierenden Aminosäure (Lysin) nicht genug vorhanden, kann von den übrigen noch so viel da sein, es können trotzdem nicht die notwendigen Proteinverbindungen im Stoffwechsel gebildet werden

Energie und Eiweißbedarf beim Fohlen

Bis zum Alter von neun Monaten ist auf eine ausreichende Zufuhr an essentiellen Aminosäuren besonders zu achten. Grundsätzlich ergeben sich Energie- und Eiweißbedarf bei Fohlen aus dem Erhaltungsbedarf und der Zusammensetzung des Zuwachses. Durch die hohe Wachstumsintensität in den ersten Monaten ist der Eiweißgehalt im Zuwachs zu dieser Zeit am höchsten; später, wenn das Fohlen ausgewachsen ist, steigt der Fettanteil im Zuwachs an. Der relative Eiweißbedarf ist in den ersten Monaten am höchsten (circa 3g vdRP/kg KM) und fällt dann kontinuierlich auf 1-1,5g dvRP/kg KM ab. Somit wird der Eiweißbedarf beim Jungpferd größtenteils über frisches Gras abgedeckt.

Neben Gras beinhaltet die Fütterung des Jungpferdes als Rationsbestandteile Heu, Mineralfutter, Hafer, Ergänzungsfutter für Aufzuchtpferde,  Salzleckstein und frisches Trinkwasser ad libitum. Ebenso wichtig wie die bedarfsgerechte Fütterung, ist eine ausreichende Bewegung, denn Motorik und Belastungsreiz sind wesentliche Voraussetzungen für ein gleichmäßiges Wachstum des Skeletts. Bei stark getriebenen (mastig gefütterterten) Fohlen muss das nicht ausgereifte Skelett, aufgrund erhöhter Muskel- und Fettmasse, eine relativ hohe Masse tragen. Daraus können Schäden mit dauerhaften Folgen resultieren. Das postnatale Wachstum ist in seiner Obergrenze genetisch vorgegeben, der Wachstumsverlauf wird dagegen hauptsächlich von nicht genetischen Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel Ernährung, Absetzalter und Haltungsmanagement.

Lernen Sie mehr zum Thema Bedarf und optimale Rationsgestaltung von Absatzfohlen bis zum Senior

denn dies oben ist nur ein kurzer Exkurs in die Lerneinheit „Management von Jungpferden“ und soll einen kleinen Einblick und Vorgeschmack auf die Inhalte des Pferdefütterungskurses geben.

Das Ziel ist, dass die Teilnehmer/innen in der Lage sind pferdegerechte Rationen zu erstellen. Dazu gehören natürlich auch das Wissen zur Verdauungsphysiologie und –anatomie von Pferden und deren Bedeutung in Bezug auf Rationsgestaltung aufzuzeigen. Wichtige Inhaltsstoffe werden Sie kennenlernen und deren Bedeutung in Bezug zur Rationsgestaltung einordnen können. Sie werden nach Abschluss des Kurses in der Lage sein, sowohl Überversorgungslagen in den Futterrationen als auch Unterversorgungen zu erkennen und einschätzen zu können, Sie lernen wichtige Futterkomponenten kennen und in Ihrer Bedeutung einzuschätzen. Dadurch können Sie verschiedene Rationsparameter an Notwendigkeiten wie Verfügbarkeit und Preisgestaltung anpassen. Rationsplanungen für unterschiedliche Leistungsanforderungen gehören natürlich genauso zum Kursinhalt wie die geeigneten Futterkomponenten auf den Bedarf auszuwählen. Sie lernen gesundheitliche Probleme mit Einfluss auf Fütterungsparameter zu erkennen und im Für und Wider abzuwägen. Und dazu lernen Sie wissenschaftlich zu arbeiten, denn Sie sollen in den Diskussionsforen fundiert und belegbar Ihre Ansichten darstellen. Sie sind also nicht allein im online Kurs, sondern tauschen sich mit anderen Kursteilnehmern aus. Außerdem sind Professoren bzw. Lehrbeauftragte der Hochschule als Ansprech- und Diskussionspartner für Sie da.

Lernen Sie für Ihr Pferd, denn die Pferdefütterung ist für Gesundheit und Langlebigkeit der wesentliche Baustein – nutzen Sie das Wissen der Experten der Hochschule!

Autoren und Gestaltung: Franziska Vogl, Dirk Winter und Birgit Jostes