Am Wochenende vom 29. und 30. Juni kletterten die Temperaturen sonntags in Nürtingen auf 36°C. Trotz der angesagten Hitze haben Viele den Weg zu dem Hoffest Land-Erleben auf dem Versuchsgut der Hochschule in Oberboihingen gefunden. Begleitend fand auch erstmals ein Treffen ehemaliger und aktiver Studierenden der Weiterbildung Pferd mit eigenem Besichtigungsprogramm statt. Live statt nur virtuell sich kennen lernen hat natürlich noch mal etwas Besonderes.

Ausflug nach Marbach

Das Haupt- und Landgestüt Marbach auf der schwäbischen Alb ist immer eine Reise wert. Auch wenn es für Einige teils mühsam auf den Autobahnen war, da in vielen Bundesländern Ferienbeginn war. Aber selbst aus dem nördlichen Teil Niedersachsens, Köln oder Saarbrücken waren Studis der Weiterbildung Pferd dabei.

In Marbach aufgestallt der Hengst WM Nafis

In Marbach aufgestallt der Hengst WM Nafis

Das Gros kam aus dem Ländle, war aber entweder noch nie oder vor ewigen Zeiten mal in Marbach. Urkundlich wurde Marbach das erste Mal 1514 erwähnt  und ist somit heute nicht nur das älteste, sondern auch größte staatliche Gestüt Deutschlands.

Um 14 Uhr trafen wir uns alle im Schatten am historischen Stutenbrunnen. Die kurze Vorstellungsrunde – Name, Wohnort, welchen Kurs sie belegt hatten (Pferdefütterungsmanagement, Pferdehaltung und Tierwohl, Pferdezucht und Exterieurlehre)- zeigte, dass alle Kurse vertreten waren. Die vielleicht anfängliche Scheu, da man und frau sich ja nicht persönlich kannten, war bald verflogen. Wie in unseren Kursen wollten alle Pferdefreunde gerne beim Du verbleiben.

Stanislaus von Korn, Prof. für Tierzucht und Leiter des Kurses Pferdezucht und Exterieurlehre, übernahm die Führung durch das Gestüt, das wir bei diesem Besuch fast für uns alleine hatten. So menschenleer habe ich persönlich (Birgit Jostes) dies noch nicht erlebt. So konnten wir besonders gut die schönen Gebäude anschauen und uns an den Pferden freuen, die wie immer sehr zugänglich waren. Grundsätzlich darf jede(r) sich frei auf dem Gestütshof bewegen und man vertraut den Besuchern, dass sie sich verantwortungsbewußt verhalten. Und dies klappt tatsächlich meist bei den rund 500.000 Besuchern pro Jahr.

Zucht- und Ausbildungsbetrieb

Trotz der Hitze waren die Stallungen angenehm in der  Temperatur und gut belüftet. Wir sind durch die jeweiligen Ställe gewandert, haben uns verschiedene Hengste angeschaut. Denn Marbach ist nicht nur die Heimat der Weil-Marbacher Vollblutaraber und moderner Sportpferde,

Araberpferde im Stutenstall

Der Stutenstall der Araber mit Fohlen.

sondern stallt auch Hengste für die Erhaltungszucht von Schwarzwälder Kaltblut und Altwürttemberger auf. Mutig war sicherlich auch die Entscheidung für den gescheckten englischen Vollblüter Silvery Moon xx, der besonders auffällig gezeichnet ist und mehr Farbe in den Stall und die Zucht bringen wird.

Marbach ist auch der größte Ausbildungsbetrieb Deutschlands für Pferdewirte. Hier gibt es rund 40 Ausbildungsplätze in den Fachrichtungen „Pferdehaltung und Service“, „Pferdezucht“ und „Klassische Reitausbildung“, sowie auch Praktikumsplätze für Schüler und Studenten.

 Warmblutstuten mit Fohlen

An der Weide mit Warmblutstuten und ihren Fohlen

Fachsimpelnd über die Zucht, einzelne Pferde, die Haltungsformen und Ausbildungswege haupt- oder nebenberuflicher Art verging die Zeit wie im Flug.

Ein kurzer Abstecher ins Infozentrum rundete den Besuch ab, bevor wir uns in der Genussmanufaktur in Dapfen direkt an der Lauter meist mit Eiskaffee und Rhabarberkuchen stärkten.

Auf dem Rückweg haben wir noch spontan mit einigen einen Abstecher in den Jungborn, dem Versuchsgut der HfWU gemacht und die dortige Pferdehaltung und unsere Musterpferde aus den Kursen gezeigt. Die offizielle Führung war dann am Sonntag morgen.

Abendprogramm: Hofgut Tachenhausen zum Ehemaligen- und Aktiventreff

Für die Studis der Weiterbildung Pferd war schon alles gerichtet, als wir auf dem Hofgut Tachenhausen eintrafen. Die aktiven Studierenden der Land- und Pferdewirtschaft hatten den ganzen Tag das abendliche Zusammensein und den nächsten Tag für LandErleben bestens vorbereitet.

Für Musik, Getränke und Speisen war reichlich gesorgt und die Stimmung war gelöst. Zwanglose Kontakte zu weiteren Professoren, aktiven und ehemaligen Studierenden der HfWU, Studierenden der Summer School Pferdewirtschaft aus Findlay Ohio ergaben sich. Auch Dirk Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft und Kursleiter für Pferdefütterungsmanagement, erzählte mit allen. Es war ein sehr geselliger Austausch mit zahlreichen Geschichten nicht nur rund ums Pferd, Reiter, Einstaller, sondern auch über Weinköniginnen und deren Mütter.

Am Ende des ersten Abends war schon klar, dass wir eine solche Veranstaltung sicher mal wiederholen. Es gibt ja noch so viele andere tolle Betriebe in der Gegend, die auch einen Besuch lohnen.

LandErleben mit der HfWU

Alle 2 Jahre öffnet das Versuchsgut Tachenhausen die Tore für Landwirte, Familien, Studierende, Lehrende, Alumni und für die Interessierte Öffentlichkeit. Ein buntes Programm mit Vorführungen auf dem Feld oder auf dem eigens angelegten Reitplatz, Besuche im Versuchsgarten, Bienenhaus, Kuh- oder Schweinstall und Aktionen auch für die Kleinsten. Angewandte Forschungsergebnisse und diverse Messestände laden ebenfalls zu Gesprächen ein.

Pferde in Freiheitsdressur

Lara Tauer, Studentin der Pferdewirtschaft, zeigt mit Leo und Pocco wie Kommunikation ohne Worte mit ihren Pferden funktioniert.

LandErleben wird als Studierenden-Projekt unter Leitung der Studiendekane Agrar- und Pferdewirtschaft, Heinrich Schüle und Dirk Winter, organisiert und von der Gemeinde Oberboihingen und deren Musikvereinen unterstützt. Ein wenig wurde gezittert, ob dass heiße Wetter nicht doch eher abschreckend wäre. Dies wäre natürlich bei all der Organisation sehr schade. Es war aber toll besucht, alle haben reichlich geschwitzt und für guten Getränkeabsatz gesorgt.

Auf dem Reitplatz präsentierten aktive Studierende der HfWU ihre Pferde. Den Auftakt machte Emilia Schlotterbeck, die sicher ihr Pferd und die Garrocha (ein über 3m langer Stab) führt. Diese Reitweise hat seinen Urspung bei den Vaqueros, den spanischen Rinderzüchtern, die mit der Garrocha auch heute noch Stiere auseinander treiben. Working Equitation ist inzwischen auch in Deutschland ein beliebter Sport und Showact.

Sehr sympathisch war der Auftritt von Lara Tauer und ihren Ponies, die sie in freier Dressur mit Handzeichen souverän dirigierte und dabei das Publikum über das Mikro mitnahm.

Westernreiten

Vorführung bei Land Erleben – Westernreiten mit Isabel Roth, Studentin der Pferdewirtschaft, und ihrem Wallach Chexs on Top

Auch der Vergleich verschiedener Reitweisen von Westernreiten (Isabel Roth), FN basierter Dressur (Lena Flörke) und Gangpferden (Melina Goril) gemeinsam auf dem Viereck war interessant und die Reiterinnen strichen die Unterscheide der jeweiligen Ausbildung deutlich heraus.

Verbindend ist die Liebe zum Pferd, die aber alle mit dem Fachwissen der Pferdewirtschaft im Studium kombinieren wollen.

2 PS für den Wald – mehr als genug

Kaltblüter beim Bäumerücken

Uwe Eitel mit seinen vierbeinigen Waldarbeitern Horst und Sina

Zunehmend werden im Südwesten Holzrückepferde statt schwerer Geräte eingesetzt, da diese deutlich schonender die Bäume aus dem Wald ziehen können. Der Auftritt bei LandErleben war für Uwe Eitel und sein tierisches Team nur ein wenig Gymnastik, denn im Wald sind die Herausforderungen deutlich höher. Aber die Präzision und der Gehorsam der Schwarzwälder Füchse waren sehr beeindruckend. Mit Kommandos wie „Horscht, ein bissle“ oder „Sina, hü“ und Körpersprache dirigiert Uwe Eitel seine Arbeitskumpel, die auch mal einen schlechten Tag haben dürfen, aber diesen wohl sehr selten haben.

Mach mal Pause

Sauheiß in Tachenhausen, aber die Schweine stapeln sich trotzdem

Die Schweine waren ob der Besucher mega-entspannt und hielten meist Siesta und liesen sich nicht stören. Ab und zu blinzelte einer, brachte den Haufen ein wenig in Bewegung und dann schliefen alle wieder weiter. Die meisten Menschen hatten lieber gerne ein wenig Abstand voneinander und genossen den riesigen Ventilator in der Scheune, den Luftzug und viel Wasser.

Besucher bei LandErleben auf Hofgut Tachenhausen

Zahlreiche Besucher genießen eine Schattenpause in der Scheune

36° Grad im Schatten, aber viele zufriedene Besucher und Studierende – es hat sich gelohnt und wir freuen uns auf das nächste Treffen, spätestens in 2 Jahren, wenn LandErleben ruft.

Schaut mal rein, was Ehemalige zum Kurserleben gesagt haben.

Einige davon waren auch beim Treffen dabei und wir haben den direkten Austausch miteinander als klasse empfunden.